- Regel "Speziell" -

Gehirnerschütterung und Spielabbruch

Gerade 3 Tage zuvor hatte der erfahrene DFB und FLVW Schiedsrichter Christian Fischer (42) aus Herne das Spiel "Sportfreunde Siegen" gegen den "SC Verl" im Siegener Leimbachstadion geleitet. Hier musste er in der 23. Minute nach einer rüden Aktion im Mittelfeld, berechtigterweise Julian Jakobs, der den Gegenspieler gefährlich am Kopf verletzte, die Rote Karte zeigen und zog sich danach, völlig zu Unrecht den Unmut der Siegener Anhänger zu. Ähnlich lief es dann 3 Tage später am 11.08.2012 in Düsseldorf gegen Portugals Vizemeister Benfica Lissabon. Ebenfalls sehr früh in der 35. Minute, will Schiedsrichter Christian Fischer Benficas Javi Garcia nach einem Doppel-Foul gegen Oliver Fink die Gelb-Rote Karte zeigen. Doch dazu kommt er nicht. Noch bevor Fischer den Platzverweis aussprechen kann, rennt Lissabons Brasilianer Luisao auf den Schiedsrichter zu und rammt ihm seine Schulter gegen den Kopf. Fischer geht zu Boden, bleibt dort mit der Gelben Karte in der Hand bewusstlos liegen. Einen Tag nach der Aktion sagte Fischer: „So etwas habe ich in meiner fast 20-jährigen Tätigkeit als Schiedsrichter weder in der Kreisliga noch in der Bundesliga erlebt. Mich hat das im wahrsten Sinne des Wortes umgehauen, auch weil man mit so etwas nicht rechnet“. Fischer stellte Strafanzeige.

 

 

 

Die Regel ist in so einem Fall eindeutig. Geht ein Schiedsrichter nach einer Attacke durch einen Spieler oder eine

3. Person (Zuschauer etc.) zu Boden, ist das Spiel abzubrechen. Im Regelwerk auf Seite 42 "Zusätzliche Erläuterungen des DFB heißt es unter Punkt 10: "Gründe für einen Spielabbruch können beispielsweise Witterungsverhältnisse, Einflüsse von außen wie Zuschauerausschreitungen, massive Bedrohungen oder ein tätlicher Angriff gegen den Schiedsrichter oder sein Team sein." Ähnlich gab es auch bei dem Spiel zwischen dem FC St. Pauli und Schalke 04 (Saison 11/12) keine Alternative, als die Begegnung in der 89. Minute, nach dem Bierbecherwurf auf den Assistenten Thorsten Schiffner, abgebrochen wurde.

 

Hier gibt es darüber hinaus eine Schiedsrichteranweisung des DFB die sagt:

"Wenn ein Mitglied des Schiedsrichterteams durch einen Angriff oder Wurf zu Boden geht, MUSS der Schiedsrichter das Spiel beenden !! "

 

Portugiesen sperren Luisao für 2 Monate weltweit + Geldstrafe in Höhe von 2.550 Euro

Die "Bild"- Zeitung titelte: "Witz-Urteil gegen Schiri-Schläger" und der Focus titelte "Eine Entschuldigung wäre angebracht". „Es kann sich ja jeder selbst ein Bild machen, ob die Strafe gerecht ist. Entscheidend ist für mich, dass etwas passiert und der Vorfall nicht einfach versickert ist“, sagte Schiedsrichter Christian Fischer, nachdem der Disziplinarrat des Portugiesischen Fußball-Verbandes (FPF) sein Urteil gesprochen hatte.

 

Das Urteil sorgte auch deutschlandweit für große Empörung unter den Schiedsrichtern. In Deutschland wäre ein derart mildes Urteil zum Glück undenkbar. In der Regel sieht das Strafmaß des tätlichen Angriffs auf den Schiedsrichter eine Mindestsperre von 2 Jahren vor. In weniger schweren Fällen liegt das Strafmaß bei einem Jahr. Sollte es sich lediglich um eine grobe Unsportlichkeit handeln (z.B. Schiedsrichter wird nur leicht berührt) liegt das Strafmaß zwischen 4 Wochen und 5 Monaten Sperre.

Beispiel: Bei dem Skandal-Relegationsspiel zwischen Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC Berlin schlug der Spieler Levan Kobiashvili (34) den FIFA Schiedsrichter Wolfgang Stark (41) und wurde vom DFB zu einer Sperre von insgesamt 7,5 Monaten verurteilt.